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Matinee mit Schreibmaschine und Rollerblades

Was hat eine alte Schreibmaschine bei einem Akkordeonorchester zu suchen? Spätestens beim Blick ins Programm war klar: Zu Leroy Anderson‘s „Typewriter“ gehört natürlich auch eine Schreibmaschine. Aber: Diese zu bedienen und gleichzeitig noch ein Akkordeonorchester zu dirigieren? Wie das geht, zeigte Monika Mokosch, die neben dem Akkordeonorchester Gundremmingen auch den Chor Cantabile leitet, bei der gemeinsamen Matinee am ersten Julisonntag auf hervorragende Weise. Lediglich das „A“ musste noch in die richtige Tonlage gebracht werden, sonst hätte es vielleicht etwas schräg geklungen.

Zum neunten Mal standen Orchester und Chor an diesem Sonntag in einem gemeinsamen Konzert vor dem Publikum. Dieses Mal allerdings nicht wie die letzten Jahre auf der Kulturbühne im Freien, sondern im Kulturzentrum selbst. Freie Plätze dagegen gab es so gut wie keine mehr. Begann das Akkordeonorchester die Matinee noch klassisch mit dem „Kaiserwalzer“ von Johann Strauss, zeigte es spätestens bei „Stars and Stripes forever“, wie man als solches, auch ganz andere Stücke interpretieren kann. Rainer Schneider hatte inzwischen seinen Platz am Schlagzeug eingenommen und das Publikum klatschte begeistert mit. Nicht weil sich der eine oder andere an den „General“ aus der Putzmittelwerbung erinnerte, vielmehr war es kaum noch zu erkennen, dass es tatsächlich ein Akkordeonorchester war, das da den amerikanischen Nationalmarsch spielte. Nicht anders bei den folgenden Stücken: Beim rasanten „Starlight Express“ rollten zusätzlich noch vier Mädels auf Inlinern durch den Saal und bei „Barbara Ann“ von den Bee Gees klatschten die Musiker zum Griff in die Tasten nebenher gleich den Takt mit.

Mit „I will follow him“ aus „Sister Act“ begann der Chor Cantabile nicht weniger temperamentvoll seinen Part. Unterstützt wurde er wieder von Jürgen Bruder am Keyboard. Bei „Phantom of the Opera“, einer Reise durch die Kellergewölbe der Pariser Oper, verzichtete der Chor dieses Mal auf Umhang und Maske, dafür aber präsentierten sich die Herren beim Song „Hinterm Horizont“ mal etwas anders: Mit Hut und Sonnenbrille à la Udo Lindenberg – so wie es sich eben gehört. Flott und voller Swing zeigten sich die Sänger mit „Bei mir bist du schön“, melodiös und nachdenklich stimmend dagegen bei der stillen Liebesballade „Übern See“ von Lorenz Maierhofer.

Das Akkordeonorchester feiert in diesem Jahr sein 30-Jähriges Bestehen, den Chor Cantabile gibt es nun seit 15 Jahren. Grund genug, um ein Lied umzutexten und dazu zusammen mit den Gästen mit einem Glas Sekt auf die Jubiläen anzustoßen: „Miteinander gehen, zueinander stehen, unseren Chor als Einheit sehen.“ Anlass aber auch, den langjährigen Mitgliedern für ihr Engagement zu danken – nicht zuletzt Monika Mokosch, die einen großen Blumenstrauß in Empfang nehmen durfte

Der Applaus des Publikums am Ende des Konzerts zeigte es deutlich: Eine wunderbare Matinee und ein musikalischer Genuss vom Feinsten.

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