Nachrichten

Wenn aus der Gastfamilie die Familie wird

111 Gäste aus der französischen Partnergemeinde Ahuillé waren am Donnerstag mit zwei Bussen in Gundremmingen eingetroffen, um gemeinsam das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft zu feiern. Fünf Böllerschüsse ließen am Samstagvormittag zu Beginn des Festaktes vor dem Rathaus die Luft erzittern. Gundremmingens Bürgermeister Tobias Bühler erinnerte daran, wie die damaligen Bürgermeister der beiden Gemeinden die Partnerschaft ins Leben gerufen hatten: „Leo Schäffler und Hubert Lamerie hatten die richtige Botschaft. Sie haben Brücken gebaut, die sich als stabil

erwiesen haben, sie haben viel für die Menschen aus Gundremmingen und Ahuillé bewegt.“ Ahuillé’s Bürgermeisterin Christelle Reillon betonte die Notwendigkeit eines neuen europäischen Denkens in einem Jahr, das gleichzeitig das 70. nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bedeute. Man werde auch zukünftig alles dafür tun, dass dieser Austausch zwischen den Gemeinden, insbesondere was die Jugend betreffe, weitergeführt werde. Städtepartnerschaften seien keine Selbstläufer und bildeten ein Fundament für dauerhaften Frieden in Europa, so Landrat Hubert Hafner. Ulrike Müller, Mitglied im Europäischen Parlament, sagte in ihrer Ansprache, dass man gerade solche Partnerschaften in diesen kritischen Zeiten dringend brauche: „Nie wieder Krieg, Sie beide leisten Ihren Beitrag dazu.“ Kinder der Gundremminger Grundschule führten nach den nicht weniger emotionalen Worten von Wolfgang Mayer und Nelly Barbier von den beiden Partnerschaftskomitees Tänze auf und sangen Frühlingslieder. 300 Luftballons in den Farben der französischen Flagge stiegen anschließend in den Himmel, bevor der Festzug, angeführt von der Blaskapelle Gundremmingen und den Abordnungen der Vereine, zum Auwald-Sportzentrum führte. Dort fand zum Abschluss ein Galaabend mit der Joe Gleixner Big Band und mit einer Feuershow statt. „Das ist nicht meine Gastfamilie, das ist meine Familie.“ So und ähnlich hieß es nicht selten in den vergangenen vier Tagen. „Un accueil merveilleux“, so Ahuillé’s Bürgermeisterin
Christelle Reillon dazu, wie wunderbar die französische Gruppe in Gundremmingen aufgenommen
wurde. Auffallend viele Jugendliche waren mit dabei. „Es ist schön, wenn bereits die Kinder zu uns kommen, und mit uns das Bestehen der Partnerschaft fortführen“, hatte Bürgermeister Tobias Bühler am Donnerstag bemerkt. Seitdem steht auf dem Spielplatz das Gastgeschenk der Partnergemeinde Ahuillé: eine Bank und ein Ginkgobaum. Wie auch nach 30 Jahren eine solche Partnerschaft funktioniert, zeigte der bayerische Abend am Freitag mit den „Gaudimusikanten“ und
der Bayerngaudi-Olympiade aus Maßkrugschieben, Hau den Lukas und Wettsägen vor dem Kulturzentrum mit deutschen und französischen Teams. Und wieder waren es Jung und Alt, Gäste und ihre Gastfamilien, die nicht nur gemeinsam zu feiern verstanden, sondern dabei sowohl die bestehenden Freundschaften vertiefen, aber auch neue schließen konnten. Das Miteinander wurde am
Samstag im ersten „Länderspiel“ im neuen Auwald-Sportzentrum deutlich. Dort spielten sich die kuriosesten Szenen ab: Bürgermeister Tobias Bühler mit der Rückennummer 13 wechselte mitten unter dem Spiel spontan vom deutschen zum französischen Team über, der Schiedsrichter griff unerwartet in das Geschehen mit ein und das französische Tor war schon einmal mit gleich fünf weiteren Torwarten aus den Zuschauerreihen besetzt, um Gundremmingens Übermacht zu stoppen. Ein Zumba-Tanz der Gäste während der Halbzeit, das Spiel amüsant auf deutsch und französisch kommentiert – und beide Teams hatten sich ein verdientes 9:9 erkämpft. Am Sonntagmorgen verabschiedeten die Gundremminger ihre Gäste zu ihrer 14-stündigen Heimfahrt, begleitet mit dem Lied „Nehmt Abschied
Brüder“ – auf Deutsch und Französisch versteht sich.

zurück